Die besten Startmöglichkeiten für jedes Kind

Frühkindliche Entwicklung zu fördern, ist eine kluge Investition. In den ersten Lebensjahren machen Kinder unglaublich rasante Entwicklungsschritte. Wenn Regierungen und Investoren ihre Finanzierung gezielt erhöhen, ist das für unzählige Kinder mit und ohne Behinderungen ein Weg aus der Armut und ein Gewinn für alle. Unsere aktuelle Studie „Leave No Child Behind: Invest in the Early Years“ untersucht dieses Thema.
Tansania. Ein 6 Monate altes Baby schaut lachend in die Kamera während, seine Mutter es stolz in ihren Armen hält. Ihr Baby wurde erfolgreich am Grauen Star operiert.

Noch vor dem fünften Geburtstag haben sich bereits 90% des Gehirns eines Kindes entwickelt. Gerade in den ersten Lebensjahren machen Kinder ganz unglaublich rasante Entwicklungsschritte und lernen täglich neue körperliche, intellektuelle und emotionale Fähigkeiten. Es ist ein kleines Zeitfenster, in dem gezielte Förderung, gesunde Ernährung und Bildung den Grundstein für eine gute Zukunft bilden. Bekommen Kinder in diesem Zeitraum nicht die notwendige Unterstützung und Zuwendung, hat dies negative Auswirkungen auf ihre Zukunft.

Im Wissen um diese kostbaren frühen Jahre könnte man meinen, dass entsprechende Finanzierung und Angebote zur Verfügung gestellt werden. Doch die aktuelle Studie von Light for the World „Leave No Child Behind“ bringt unerwartete Missstände zum Vorschein: Die Investitionen sind nicht nur erschreckend niedrig, sondern sogar rückläufig.

Kinder mit Behinderungen sind besonders gefährdet

Entwicklungsverzögerungen können besonders bei Kindern unter fünf Jahren in Afrika südlich der Sahara beobachtet werden. Dort ist die Zahl benachteiligter Kinder seit 2016 um mehr als 70 Prozent auf 14,7 Millionen gestiegen – weil es an Angeboten wie Frühförderung, Mutter-Kind-Untersuchungen, gesundem Essen und Zugang zu vorschulischen Strukturen fehlt. 

Vor allem Kinder mit Behinderungen, insbesondere Mädchen, sind am stärksten gefährdet, keine Frühförderung zu erhalten. Schwache Umsetzungsstrategien, fehlende Inklusionsmaßnahmen und Probleme in der Erhebung statistischer Daten über den Bedarf frühkindlicher Services und die niedrigen Investitionen sind der Grund, warum sie von Geburt an benachteiligt werden. 

COVID-19 verschärft Chancenungleichheit

Mehr als eine halbe Milliarde Kinder lebt derzeit unter der Armutsgrenze. Die COVID-19-Krise verschlimmert die Situation. Bereits vor der Pandemie konnten rund 250 Millionen Kinder unter fünf Jahren ihr Entwicklungspotenzial nicht voll ausschöpfen. Durch die Krise und die COVID-bedingten Maßnahmen könnten weitere 117 Millionen Kinder dazu kommen. 

Mosambik. Ein kleiner Junge mit einer körperlichen Behinderung sitzt mit überkreuzten Beinen auf dem Schoß seiner Mutter. Zwei Mädchen stehen an jeder Seite und werden von der Mutter umarmt. Im Hintergrund ist ihr kleines Lehmhaus zu erkennen.
Der vier Jahre alte Zindoga João sitzt auf dem Schoß seiner Mutter vor ihrem Zuhause im ländlichen Mosambik. In Mosambik leben 82% der Kinder in Armut. Geboren mit einer körperlichen Behinderung, hatte Zindoga  Probleme, sich alleine aufzusetzen und weinte viel, als die Reha-Helferinnen von Light for the World ihn fanden. "Jetzt kann er sich bewegen und Fußball spielen, sein Lieblingsspiel“, sagt seine Mutter Maria. Zindoga hätte mittlerweile in die Schule gehen sollen, doch wegen COVID-19 ist alles anders.  „Ich habe Angst, dass all seine Fortschritte verloren gehen“, sagt seine Mutter. "Alle Verbesserungen könnten zunichtegemacht werden." © Light for the World


Frühkindliche Entwicklung: Ein Menschenrecht

Die nachhaltigen Entwicklungsziele 2030, zu denen sich alle Staaten bekannt haben, sehen frühkindliche Entwicklung als Weg aus der Armut. Auch die G-20 Regierungen beschlossen 2018 höhere Investitionen in frühkindliche Entwicklung und erkannten damit diesen Bereich als Menschenrecht an. Denn eine gesunde Entwicklung in den ersten Kindheitsjahren bildet die Basis für eine gute Zukunft – für Einzelpersonen und ganze Gesellschaften.

Finanzierungslücken

Doch der Bericht „Leave No Child Behind” zeigt, dass Regierungen und internationale Geber ihrer Verantwortung nicht nachkommen. Damit verbauen sie denjenigen die Chance auf eine Zukunft, die am meisten von Förderung profitieren: Kindern mit Behinderungen. 

Zwar investiert Vorreiter Unicef 41 Prozent seines Budgets in frühkindliche Entwicklungsprogramme, aber nur zwei Drittel dieser Programme schließen auch Kinder mit Behinderungen ein. Geberstaaten wie Deutschland oder Frankreich stellen jeweils nur 0,5 Prozent ihrer Leistungen in Entwicklungshilfe für diesen Zweck bereit. 

Vom finanziellen Standpunkt betrachtet, lohnt sich eine solche Investition. Auch der Ausbau frühkindlicher Angebote ist kostengünstig: Wir sprechen hier von nur 50 Cent pro Person und Jahr. 

Die Weichen neu stellen

„Die Geber und Regierungen müssen flächendeckende, inklusive Angebote für frühkindliche Förderung schaffen, für unsere jüngsten Generationen und zum Wohl ganzer Gesellschaften,“ so Nafisa Baboo, Direktorin für inklusive Bildung bei Light for the World und Co-Autorin des Berichts.

Gerade jetzt dürfen wir bei den Jüngsten nicht sparen, denn sie sind unsere Zukunft. Frühkindliche Entwicklung ist die Basis für ein gutes Leben und für inklusive, gerechte und florierende Gesellschaften!