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Diskriminierung macht Frauen blind

Mullu aus Äthiopien sitzt in der Warteschlange bei einem mobilen Einsatz von Licht für die Welt. Sie sitzt neben zwei Männern und blickt aufmerksam auf den Arzt, der ihr gegenüber steht.
Mullu sitzt bei einem mobilen Einsatz in der Schlange und hört aufmerksam dem Arzt zu.
  • Augengesundheit

Mehr als die Hälfte aller blinden und fehlsichtigen Menschen weltweit sind Frauen. Das hat strukturelle Gründe, denn Männer und Frauen erkranken gleich häufig an Augenkrankheiten. Am heutigen Weltfrauentag werfen wir einen Blick auf die Benachteiligung von Frauen in der Gesundheitsvorsorge.

  • Grüner Star betrifft ähnlich viele Frauen wie Männer. Laut Daten einer Augenklinik in Äthiopien wurden vergangenes Jahr nur 19 Prozent aller Operationen am Grünen Star bei weiblichen Patient*innen durchgeführt. Viel mehr Frauen erblinden an Grünem Star.
  • In Mosambik waren nur 42% der am Grauen Star Operierten weiblich. Die Daten stammen aus mehreren Augenkliniken und beschreiben den Zeitraum zwischen 2018 und 2020.
  • In Burkina Faso waren im gleichen Zeitraum nur 26 Prozent der Patient*innen aller Augenoperationen – ausgenommen am Grauen Star – weiblich.
  • Die infektiöse Augenkrankheit Trachom ist bei Frauen und Kindern weit verbreitet. Frauen haben eine 1,8-fach höhere Wahrscheinlichkeit daran zu erkranken als Männer. Das liegt daran, dass sie Hauptbezugsperson für Kinder sind und Kinder von dieser Krankheit besonders häufig betroffen sind.

Diese Zahlen machen den Handlungsbedarf deutlich. Noch immer ist die Benachteiligung von Frauen durch gesellschaftliche Barrieren hoch. Wirtschaftliche und soziale Hürden sind auch der Grund, warum Frauen weniger Zugang zu Gesundheitsvorsorge haben.

Benachteiligung von Frauen in der Gesundheitsvorsorge

29% der Frauen weltweit können weder lesen noch schreiben im Vergleich zu 18% der Männer. Dadurch bleibt ihnen der Zugang zu Informationen über Krankheiten und Vorsorge verwehrt. Ihre Entscheidungskraft im Familiengefüge über die Finanzen ist in vielen Fällen genauso gering wie ihre Unabhängigkeit. Oftmals können sie nicht einmal alleine ein Krankenhaus besuchen.

Mobile Einsätze: Mullus langer Weg zum Augenlicht

Bei Light for the World haben wir beobachtet, dass wir Frauen vor allem mit mobilen Einsätzen in entlegenen Gebieten erreichen können. In vielen Fällen ist es ihre einzige Chance, Zugang zu Augengesundheit zu bekommen.

Auch Mullu aus einem kleinen Dorf in Äthiopien hat zufällig von einem mobilen Einsatz erfahren. Ihr Weg ins Amba Giyorgis Health Center war beschwerlich und wurde erst mit dem Tuktuk, dann mit dem Bus und stellenweise sogar zu Fuß zurückgelegt. Nach mehreren Stunden Wartezeit im Gesundheitszentrum hatte sie Glück. In einem provisorischen Operationssaal wurde im Zuge einer 15-minütigen Operation ihre trübe Linse durch eine künstliche ersetzt. Den Heimweg legte Mullu mit einem Verband am linken Auge zurück.

Light for the World macht sich für Gleichberechtigung von Frauen stark

Durch die gezielte Ansprache und Überzeugungsarbeit bei Frauen und ihren Partnern konnten wir die Zahl der Operationen bei Frauen in Äthiopien, Burkina Faso und Mosambik erheblich erhöhen.

Um den Gender Eye Health Gap zu schließen, hat Light for the World sich das Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2023 mindestens 55% aller Patient*innen weiblich sind.