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Weltbildungstag: Mit den Fingern lesen lernen

Amandine aus Burkina Faso sitzt an einem Tisch in der Inklusionsschule in Kaya, Burkina Faso. Ihre Hände liegen auf weißem Papier und sie übt, die Brailleschrift zu lesen. Sie wirkt sehr konzentriert.
This story was published in the donor publication Lichtblicke intern 1 2019 in Austria.
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Heute ist Weltbildungstag. Und noch immer haben die mehr als 2 Millionen blinden Kinder im Vergleich zu ihren Altersgenoss*innen ohne Sehbehinderungen schlechtere Chancen auf eine Schulbildung. Light for the World unterstützt diese Kinder dabei, durch die Brailleschrift lesen und schreiben zu lernen.  

Konzentriert lässt Amandine ihre Finger über ein kleines Hirsekorn gleiten. Sehen kann sie nicht, was sie unter ihren Händen spürt und noch braucht sie etwas Zeit um zu ertasten, worum es sich dabei handelt. Im Alter von drei Jahren hat Amandine ihr Augenlicht durch eine schwere Krankheit verloren. Jetzt besucht sie eine Vorbereitungsklasse an einer Inklusionsschule und sensibilisiert ihre Fingerspitzen, um anschließend die Blindenschrift Braille zu erlernen.

Amandine ist eines von etwa 2 Millionen Kindern, die ohne Augenlicht leben. Weitere 90 Millionen Kinder haben eine Sehbeeinträchtigung. Viele von ihnen werden niemals lesen oder schreiben lernen. Denn ihre Chancen auf eine Schulbildung sind, je nach Region, zwei- bis fünfmal geringer als bei Kindern ohne Sehbehinderungen – obwohl das Recht auf Bildung in den nachhaltigen Entwicklungszielen 2030 der Vereinten Nationen verankert ist. Diese Benachteiligung hat Auswirkungen auf die soziale Entwicklung der Kinder und auf ihre Eigenständigkeit im Erwachsenenalter.

Größere Chancen in der Stadt

Auch Amandine aus Burkina Faso hätte wahrscheinlich nie lesen und schreiben gelernt. Als Mitarbeitende einer Partnerorganisation von Light for the World für einen augenmedizinischen Einsatz in das Heimatdorf des Mädchens kamen und die Augenkrankheiten der lokalen Bevölkerung behandelten, entdeckten sie Amandine. Schnell war klar, dass das Mädchen nie wieder sehen wird.

Ein Rehabilitationsprogramm in der Region unterstützt blinde Kinder wie Amandine. Mit ihrer Hilfe hat das Mädchen einen Platz an einer Inklusionsschule in Kaya, der fünftgrößten Stadt des Landes, bekommen. Dort soll sie die Blindenschrift Braille lernen. Da die Schule zu weit von Amandines Heimatort entfernt ist, lebt sie während der Schulzeit bei einer Gastfamilie. Sie fühlt sich bei ihrer Gastmutter wohl, hilft im Haushalt mit und lernt sich um sich selbst zu kümmern.

Scharfe Sinne brauchen Geduld und Übung

In der neuen Schule hat das aufgeweckte Mädchen viele Freund*innen gefunden, mit denen sie während der Pausen spielt. Auch der Unterricht wird spielerisch gestaltet, um den Kindern das Alphabet der Blindenschrift Braille beizubringen.

Durch Geschicklichkeits- und Sensibilisierungsübungen trainieren die Kinder ihre Finger und stärken ihren Tastsinn. So werden sie auf die feinen Druckpunkte auf dem Papier vorbereitet. Die Schüler*innen lernen auch, mit den nötigen Utensilien wie dem Griffel umzugehen. Mit genügend Übung können blinde Menschen Braille genauso schnell lesen wie Sehende Schwarzschrift.

Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung

Jede*r hat ein Recht darauf zu lernen sich durch Sprache und Schrift mitzuteilen. , um die eigene Selbstständigkeit und Menschenwürde zu wahren. Durch unsere Einsätze in abgelegenen Regionen erreichen wir so viele Menschen wie möglich und bringen Kinder wie Amandine in inklusiven Schulen unter. Dabei arbeiten wir eng mit unseren lokalen Partnerorganisationen zusammen, die die Regionen am besten kennen.

Nicht nur heute am Weltbildungstag, sondern während des ganzen Jahres setzten wir uns dafür ein, dass jedes Kind – egal ob mit oder ohne Behinderungen – die Schule besuchen darf.